Eisenpfannen   leicht   gemacht

 

 

Fischpfanne

 

 

Wer sich mit Eisenpfannen beschäftigt, wird früher oder später vielleicht auf die Idee kommen, auch ganze Fische in geschmiedeten Eisenpfannen zubereiten zu wollen, die Betonung liegt auf ganze Fische. Hört sich eigentlich ganz einfach an, ist es aber nicht immer. Bisher hatte ich mich mit einem rechteckigen Bräter beholfen, Aluguss beschichtet, dieses Material ist eigentlich nicht meine Welt - eher ein Notfall. Neben dem Material- ich mag keine beschichteten Pfannen - hatte ich ein weiteres Problem: Sie war einfach zu klein. Für z.B. kleine Forellen bis 30 cm war sie o.k.. Aber es gibt ja auch noch größere - es blieb mir nichts anderes übrig, als den Kopf und den Schwanz zu kappen, um die Pfannenwohnung ausreichend groß zu gestalten... für mich eigentlich ein No - Go. Das Auge isst ja bekanntlicherweise mit.

 

Also begann ich damit, nach Eisenpfannen zu suchen, die ausreichend groß waren, 40 cm lang wäre nicht schlecht - dachte ich mir. Nicht unbedingt Neuware, gerne ein Stück mit Seele, Charakter, einer Vergangenheit. Aber, woher bekomme ich sowas? Durch einen Zufall wurde mir so eine Pfanne angeboten, genau das, was ich mir vorgestellt habe. Der sehr nette Herr aus einem kleinen Eifeldorf - Herr B. - hatte sie mir verkauft, mit einigen Infos zur Pfanne - er war selbst jahrelang in der Gastronomie tätig. Die Pfanne stammt aus den Jahren um 1900 (!!!). Früher, ja früher war nicht alles besser, aber ich habe mir angewöhnt, auch die Lebensweisen, Verhaltensmuster dieser Generationen zu studieren - sie waren beileibe nicht dumm...

Die Fische wurden damals in einem Stück mit Kopf und Schwanz zubereitet, TK ( mundgerecht portioniert) gab es damals nicht. Es wurde das frisch zubereitet, was gefangen wurde. Nehmen wir als Beispiel den Lachs, damals am Rhein ein Brot - und Butterfisch, ein "arme Leute" Essen. Ja, man mag es kaum glauben, aber der Rhein war mal der größte Lachsfluss in ganz Europa. Da diese Fische ja nicht so ganz klein waren, baute man einfach die Pfannen so groß, dass die Fische in diese Pfannen passten, einen Dorfschmied gab es ja.

Die Pfanne wurde lange auf einem Kohleherd benutzt, später auf einem Gasherd, auch entsprechende Patinareste bzw. Kohleverkrustungen deuten darauf hin. Da sie zeitweise auf einem zu kleinen Kochfeld betrieben wurde, hatte die Pfanne eine konvexe Verformung im Pfannenboden, in einer Größenordnung von bis 5 mm. Das bedeutet, sie lag nicht plan auf, tanzte ordentlich auf dem Herd. Dies habe ich mit gezielten Hammerschlägen und viel Erfahrung korrigiert- die Pfanne lag wieder plan auf.

Nachfolgend sehen Sie 2 Fotos der Pfanne im Einlieferungszustand:

 

 

Für viele Menschen ein Fall für den Schrotthändler, für mich eher eine Herausforderung.

Sie hatte durchaus imposante Daten: Gewicht ca. 3600 g, Länge Pfannenkörper 46 cm, Breite Pfannenkörper ( max.) 31 cm, Stiellänge 30 cm, Gesamtlänge 73 cm. Die etwas welligen, ungleichmäßigen Ränder waren ein sicherer Hinweis darauf, dass der Pfannenkörper handgeschmiedet wurde, der Griff aus Flachstahl ist angenietet.

Da die Patina sehr ungleichmäßig war und starke Verkrustungen mit leichten, oberflächlichen Rostansätzen aufwies, habe ich mich zu einer maschinellen Grundreinigung entschlossen, nachfolgend die Fotos nach der Grundreinigung:

Die maschinellen Bearbeitungsspuren sowie verbliebene Patinareste waren für das spätere Ergebnis völlig irrelavant. Die rote Stelle am unteren Rand auf der Rückseite der Pfanne zeigt die Farbe des Sweats, welches der Fotograf trug...

Mit den nachfolgenden Einbrennrunden möchte ich sie nicht langweilen, es ist vom Prinzip her die gleiche Entwicklung der deBuyer Pfanne auf meiner Unterseite "Pfannenklinik".

 

Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden:

 

Eine gleichmäßige, vollflächige, stabile Patina, mit der man gut arbeiten kann, keinerlei einbrennbedingte Abplatzungen. Die leichten rötlichen Verfärbungen auf der Pfannenrückseite..sorry..war wieder der Fotograf...die Lichtverhältnisse waren suboptimal.  Nachfolgend nochmal 2 vorher-nachher Fotos der Fischpfanne zum Vergleich:

 

 

Ich habe diese Unterseite nicht erstellt, um Ihnen zu zeigen, - um beim Thema Fisch zu bleiben - welch vermeintlich toller Hecht ich bin. Nein, mir ging es um etwas ganz anderes: Ich wollte Ihnen am Beispiel dieser Fischpfanne zeigen, dass es sich durchaus lohnen kann, auch alte Eisenpfannenschätze aufzuarbeiten, es muss nicht immer eine wie auch immer hightech- beschichtete Pfanne sein. Das hat auch was mit Umweltschutz zu tun, Ressourcenschonung- auch des eigenen Geldbeutels. Wie gesagt, die Pfanne ist weit über 100 Jahre alt, sie wird auch die nächsten Jahrzehnte locker überleben.

Und dann wären noch die "Emotionen am Herd" . Die Zubereitung des ersten Fisches, den ich selbst in dieser Pfanne bruzzeln werde, wird eine sehr emotionale Angelegenheit. Wer sich intensiver mit Eisenpfannen beschäftigt, wird vielleicht irgendwann merken, dass sie Herdentiere sind. Sie fühlen sich in einer größeren Lebensgemeinschaft pudelwohl. Ja, es ist manchmal wie in einer Familie- alle Generationen, unterschiedlichsten Alters und mit unterschiedlichsten Eigenschaften und aufgaben unter einem Dach ( Küche) vereint. Kinder, Enkel, Oma, Opa, Uroma, Uropa usw., alles ist möglich. Das glauben Sie nicht? Ich weiß es.

Die beste Theorie taugt aber nichts, wenn sie in der Praxis nicht anwendbar ist. Es kam, wie es kommen musste - die erste Bewährungsprobe für die restaurierte Fischpfanne. Die Hauptdarsteller der Premiere waren 2 Saiblinge, jeweils ca. 37 cm groß. Damit sie sich in der Pfanne nicht langweilten, habe ich ihre Bäuche mit frischem Bärlauch, gepresstem Knoblauch, Rosmarinzweigen und Zitronenscheiben gefüllt- Salz, Pfeffer, fertig. Aber nicht irgendein Salz, sondern unser geliebtes "Quellsalz aus Portugal". Da ich gerne rezeptfrei koche, nehme ich oft das, was die Vorräte so hergeben - "Freestyle Cooking" wäre für diese (meine) Kochphilosophie ganz zutreffend. Die Pfanne wurde auf der einen Hälfte des Ceranfeldes über 2 kleineren Kochfeldern erhitzt. Ja ja, ich weiß, die Kochfelder sollten in etwas der Größe des Pfannenbodens entsprechen. Mit etwas Fingerspitzengefühl und Erfahrung war das aber kein Problem. Etwas Olivenöl, ein wenig Ghee in die Pfanne, langsam erwärmt und gut war es.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...die Fische fühlten sich in der Pfanne wohl,

sie hatten genug Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... nach 15 Minuten und niedriger Hitze sah es dann so aus.

 

 

 

 

 

 

...nach weiteren 15 Minuten kamen noch Mandelstifte, Sonnenblumenkerne und weitere Rosmarinzweige zu Besuch, die Saiblinge waren servierbereit.

 

 

 

 

 

 

 

 

....Guten Appetit - die Fische waren saulecker, die Teller leider zu klein...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...die Pfanne habe ich später unter fließend heißem Wasser mit einer Spülbürste gereinigt, getrocknet und leicht eingeölt - eine Sache von 2 Minuten. Die Patina erwies sich als sehr stabil, keinerlei Abplatzungen.

 

Wie sagte doch Hannibal aus dem A-Team so treffend: " I love it, when a plan comes together" - " Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert". Und dann wäre da noch ein Zitat von Sepp Herberger:  " Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" - das nächste Pfannenmatch ist schon geplant. Eisenpfannen leben ja nicht gerne alleine, auch Fischpfannen nicht. Der sehr nette Herr B. aus dem kleinen Eifeldorf hat noch einen etwas größeren Bruder der Fischbratpfanne, den er mir demnächst zuschicken wird. Mal sehen, was ich damit anstelle...

 

 

 

 

 

 

 

 

...es soll ja auch Eisenpfannen geben, die sich über ein paar Blümchen freuen - auch " Dekopfannen" brauchen Gesellschaft...

 

Nach ein paar Tagen war es dann soweit, das größere Brüderchen ist unversehrt eingetroffen. Wie es sich für einen größeren Bruder gehört, waren die Dimensionen etwas größer. Gewicht 4.300 g, Länge Pfannenkörper 40 cm, max. Breite 34 cm, Gesamtlänge 78 cm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...die Oberseite des Pfannenkörpers war soweit o.k., leichte Roststellen sowie leichte Verkrustungen am Pfannenrand.

 

 

 

 

 

 

 

 

...die Pfannenunterseite hatte deutlichere Gebrauchsspuren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... hier nochmal etwas detaillerter fotografiert.

 

So, nun ist auch das größere Brüderchen erfolgreich reanimiert und wartet auf seine neuen Einsätze...sollten Sie Interesse daran haben, nehmen Sie bitte einfach mit mir Kontakt auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

...suche eine neue Heimat, begleite Sie treu bis zu Ihrem Lebensende...