Eisenpfannen   leicht   gemacht

Dampfnudeltopf

 

 Diese Seite widme ich dem lieben, leider verstorbenen Opa Kurt. Geboren 1917, er wurde 98 Jahre alt. Mit zwei Weltkriegen in seinem Lebensrucksack, eine härtere Schule ging nicht. Wer war er? Ein toller Mensch, völlig selbstlos, wichtig war ihm seine Familie - im Berufsleben auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und ja, er hatte auch seine Ecken und Kanten und das war gut so. Jetzt den perfekten Bogen zum eigentlichen Thema zu spannen geht nicht, also lasse ich es bleiben.

 

Auf dieser Unterseite will ich Ihnen ein weiteres Eisenpfannenschätzchen aus meiner Aservatenkammer zeigen. Es ist ein Dampfnudeltopf, oberer Durchmesser 34 cm, 11 cm hoch. Ich habe ihn von einem sehr netten Herrn ´G´, der mir dazu folgende Informationen zukommen ließ:

"Die Pfanne ist bestimmt über hundert Jahre alt. Meine Mutter ist 83 Jahre alt und in einem kleinen bäuerlichen Anwesen in Niederbayern aufgewachsen. Diese Pfanne wurde im Haushalt verwendet, um Dampfnudeln zu braten. Die Pfanne war angeblich schon im Gebrauch bei ihren Eltern und ihren Großeltern". Sie war - für mich - in einem altersbedingt guten Zustand. Flächiger Rost auf dem Eisen, leichter Lagerungsgeruch, kleine Narben im Topfboden. So richtig interessant macht den Topf etwas sehr seltenes, er hat einen Holzdeckel. Mit einfachsten Mitteln aus vermutlich 2 Kieferbrettern zusammengenagelt, eine Querverstrebung, als Zugabe ein Eisenrest als Griff. Sie hätten vermutlich dankend abgewunken und den Mann mit der Glocke bestellt, ich bin da völlig schmerzbefreit. Für die jüngeren Mitleserinnen und Mitleser, damit ist der Schrotteler, der Schrotthändler gemeint. Er fuhr klingelnd und hupend durchs Dorf, um auf sich aufmerksam zu machen - WhatsApp und Twitter gabs damals wirklich noch nicht. Nach den Infos schätze ich die Geburtsstunde des Topfes auf das Ende des 19. Jahrhunderts, vielleicht auf den Zeitraum 1880 - 1890, eher noch älter.

Die Wiege der Dampfnudeln war schwer recherchierbar, ich habe da ja auch noch nicht gelebt. Vielleicht war es bereits das 17. Jahrhundert, mit Sicherheit aber im 18. Jahrhundert z.B. im dunklen, finsteren Schwarzwald. Eine damals bitterarme Region, gezeichnet vom Dreißigjährigen Krieg ( 1618 - 1648). In der zweiten Kriegshälfte mußten zwei Drittel der Bevölkerung durch direkte Kriegseinwirkung, Pest und Viehseuchen ihr Leben lassen. Besonders hart hatte es dabei den Breisgau erwischt, aber das war noch nicht genug Leid. Die Franzosenkriege um 1675 schafften es, mühsam wiederaufgebaute Höfe und Häuser erneut zu vernichten. Wieder mit großen Schäden (auch in den Wäldern), wieder mit vielen toten Menschen. In Kandel in der Pfalz und in Freckenfeld existieren noch heute zwei Dampfnudeltore. Nach einer Sage wollten im Dreißigjährigen Krieg schwedische Reiter sehr viel Geld von den Freckenfelder Bürgern. Um sie gnädiger zu stimmen, schaffte es ein Bäckermeister, die Soldaten mit jeder Menge Dampfnudeln umzustimmen. Vielleicht war es ja auch die Weinsoße, die da kräftig mithalf.

Keine Sage ist, dass ´Opa Kurt ´ähnliche Grausamkeiten wie die Opfer des Dreißigjährigen Krieges erlebte. Auf meinen Spaziergängen mit Ihm ( er saß da bereits im Rollstuhl, geistig hellwach) berichtete er von seinem Pferd in Russland an der Front. Er musste es schlachten, um an Nahrung zu kommen, zu überleben. Aber offensichtlich hat die Menschheit teilweise nichts, aber auch gar nichts aus diesen kriegerischen Grausamkeiten gelernt. Geschichte wiederholt sich, Machtgelüste, Geldgier, religiöser Fanatismus prägen auch aktuell unsere Zeit, Hunderttausende mußten sterben, sind auf der Flucht. 

Zurück zu den Dampfnudeln, auch wenn es mir schwerfällt. Sie, die Dampfnudeln, waren früher ein Festessen, der Duft trieb die Familienmitglieder umgehend an den Herd, die Ursprünge findet man im süddeutschen Raum. Alle Zutaten waren simpel, mehr gab es auch oft nicht oder nur manchmal. Mehl, Hefe, Zucker, Butter(Fett), Salz, Milch, für den Dampf Wasser bzw. Milch. Der Begriff ´Dampfnudel´ wurde erst später eingeführt, früher hießen sie Dampfknödel, Dampfklöße und das war eigentlich passender. Der Teig wurde angerührt, geformt, mußte ruhen und aufgehen, kein Windzug durfte hefebedingt diese Reifung stören. Danach wurden die Dampfnudeln in einem Topf, einer Pfanne mit Wasser und etwas Butter erhitzt, ein Deckel mußte natürlich sein. War die Flüssigkeit verdampft, bräunte das Fett die Oberfläche der Dampfnudeln. Heute gibt es viele Variationen dieses Gerichts: Badische Dampfnudeln, Salzdampfnudeln, mit Kirschen, getrockneten Früchten, Vanillesoße usw. 

 

Vielen Dank für Ihre bisherige Geduld und ihren noch halbwachen Zustand, so sah der Topf im unrestaurierten Zustand aus:

 

 

 

 

Was habe ich damit gemacht? Den Topf, die Pfanne maschinell entrostet, ich bin da nicht zart besaitet. Fächerscheibe, Topfbürste Bohrmaschine, Schleifpapier usw. waren meine Wahl. Strahlen mit z.B. Glasperlen wäre schneller gewesen, aber einfach ist auch langweilig. Danach mit Wasser gespült und sofort getrocknet. Ich habe das an einem Tag mit hoher Luftfeuchtigkeit gemacht und konnte minütlich zusehen, wie das gereinigte Eisen darauf reagierte. Ja, damals gabs noch Qualität, eine geplante Obsoleszenz war unbekannt, die eingesetzten Rohstoffe und Materialien mußten ewig halten - auch finanziell gesehen. Anschließend wurde der Topf sofort hauchdünn eingeölt. Der Holzdeckel wurde von mir geschliffen und der Deckelgriff entrostet.

 

Das Ganze sah dann so aus:

 

 

 

Wie das Einbrennen funktioniert, das habe ich Ihnen auf meiner anderen Unterseite schon etwas erklärt, wobei es diesmal patinatechnisch gesehen nicht so ganz einfach war. Durch die dünne Materialstärke des Topfes war die Grenze zur Pyrolyse nicht weit weg, auch die Wandhöhe des Topfes war mit 11 cm nichts für Ungeübte. Die Anlassfarben erinnerten mich teilweise an Regenbogenfarben: 

 

 

 

Der Topf war nach ein paar Stadionrunden incl. Ehrenrunde eingebrannt, der Holzdeckel mit Leinöl behandelt. Das schenkte dem Holz einen warmen Honigfarbton, die Holzmaserung wurde markanter. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, der betriebene Aufwand hat sich für mich wieder einmal gelohnt. Sie wurde als geheilt aus meiner ´Pfannenklinik` und das Schätzchen darf jetzt bei uns hier wohnen. Bei der anstehenden Neuwahl des Vorsitzes unseres Eisenpfannenschätzenältestenrates löste er die ´Fischpfannen´ von 1900 ab und bekommt einen Vertrag auf Lebenszeit:

 

 

 

 

Wenn es mich mal irgendwann hier unten nicht mehr gibt, werde ich ´Opa Kurt´ besuchen, der freut sich bestimmt. Ob ich den Topf dahin mitnehmen kann, weiß ich nicht. Kommt er nicht durch den Himmelszoll, dann freut sich vieleicht der Mann mit der Glocke oder ein Bauernmuseum. Nachdem Sie diese Unterseite gelesen haben, empfehle ich eine andere Seite auf meiner Homepage, `Emotionen am Herd`, danach verstehen Sie mich vielleicht etwas besser. 

 

In diesem Sinne: vielen Dank für Ihre Geduld, manche Dinge verdienen einfach die Zeit, die man sich für sie nimmt...